
Yvonn Scherrer führt ein Leben ohne Licht: Die Radiojournalistin und Theologin Yvonn Scherrer lebt seit frühester Kindheit mit Glasaugen. Mit ihrer Arbeit für das Schweizer Radio und Fernsehen und als Buchautorin hat sie sich einen Namen gemacht. «Blind zu sein, ist enorm anstrengend. Sich aufs Gehör verlassen, auf die Menschen zugehen, Hilfe einfordern, Missverständnisse aufklären. Wir haben aber auch viele Möglichkeiten. Das will ich aufzeigen». Ihr wichtigster Mitarbeiter beim Lesen ist ihr Zeigefinger, mit dem sie die Braille-Schrift in atemberaubender Geschwindigkeit liest. Wie komplex diese ist, können Sehende nur erahnen: Mit dem System der Blindenschrift können nicht nur Schriftzeichen, sondern auch Symbole abgebildet werden. Louis Braille hat etwa auch eine Notenschrift entworfen, mit der sich blinde Menschen Musikstücke erschliessen können. Außerdem gibt es mittlerweile Schriften für mathematische Zeichen, chemische Formeln und Strickmuster. Auch die Symbole solcher Sonderschriften werden im Sechs-Punkte-Raster abgebildet. Die Nutzerinnen und Nutzer müssen also lernen, welche Punktekombination für welche Musiknoten oder Formeln stehen. Wenn eine Sonderschrift benutzt wird, wird darauf jeweils am Seitenanfang hingewiesen. Wir nehmen das 200 Jahr-Jubiläum der Braille-Schrift zum Anlass, die Lesung mit Yvonn Scherrer im Dunkeln durchzuführen. Wie viele verschiedene Orte haben wir in Flims und Umgebung schon bespielt und stets geschaut, wie ist das Licht, die Aussicht, hat es zu viel Sonne am Nachmittag, oder ist es gar zu dunkel, brauchen wir Licht? Nun – endlich – eine Veranstaltung in kompletter Dunkelheit, wie wir sie vielleicht nur aus einem geschlossenen Zimmer in der Nacht kennen. Kommen Sie mit auf dieses Hörerlebnis.